Grüne IM/PULSE in Berlin

Text: Christa Möller-Metzger

Die Welt verändert sich rasant – politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Viele Menschen spüren, dass es so, wie es ist, nicht bleiben kann. Ein Wirtschaftsmodell, das an seine Grenzen stößt, die Klimakrise, wachsende Ungleichheit und der zunehmende Einfluss großer Tech-Konzerne stellen Politik und Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig geraten demokratische Werte weltweit unter Druck, während autoritäre Kräfte erstarken. Viele Gewissheiten sind ins Wanken geraten, Vertrauen schwindet und zugleich wächst der Bedarf an neuen Antworten. In Berlin sollte deshalb an zwei Tagen ein offener Debattenraum für Ideen, Visionen und konkrete Lösungen geschaffen werden.

Alte und neue Mitglieder, Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen und Menschen, die vielleicht noch nie auf einer Bühne standen, sollten ihre Erfahrungen und Ideen einbringen. 

Das klang vielversprechend und ich war sehr gespannt.

Okay, der Start war holperig: erst wurde mein Flixtrain gecancelt, dann bin ich mit der Deutschen Bundesbahn im vollen Zug mit ausgefallener Klimaanlage und gefühlten 35 Grad angereist! Aber es hat sich gelohnt!

Viele Referent*innen haben betont, dass rein politische Debatten nur die Blasen überzeugen. Menschen brauchen Wärme und ein Zugehörigkeitsgefühl. Leider macht das die AFD besonders geschickt, gern auch mit Currywurst und Bier. Über Politik wird dann ganz nebenbei gesprochen. Und die AFDler sind ja so nett, Freunde finden das auch und sie präsentieren so einfache Lösungen für jedes Problem. Auf YouTube gibt es einen Teil der Vorträge zum Nachhören, ich fand Prof. Armin Nassehi gleich zu Anfang sehr interessant und „dont Talk about politics“ am 2. Tag und Prof. Rafael Dernbach, der am Ende sehr kurzweilig über Hoffnung sprach.

Meine frühere G+J Chefin Julia Jäkel war auch eingeladen, sie hat sich von der Politik mehr vorzeigbare Erfolge gewünscht, die das Leben für alle spürbar leichter gemacht haben. Wichtiger Ansatz, oder? Abends wurde im „Heimathafen Neukölln“ draußen im Garten gefeiert, ideal zum Netzwerken. Unsere Bundesvorsitzende Franziska Brantner hat übrigens vorgeschlagen, auch auf den Bundesdelegiertenversammlungen mehr IM/PULS zu wagen. Gute Idee!

Der Diversitätsrat war auch integriert in den Ablauf und ich konnte von unseren guten Gesprächen mit dem Bundesvorstand berichten.

Einziger Wermutstropfen: Der Workshop „Alt gegen Jung“, bei dem Franziska Brantner das Eingangsstatement sprach. Das Framing fand ich bitter und bei der Diskussion war kein älterer Mensch dabei. Dabei sagen wir doch immer: Nicht über uns, immer nur mit uns. Gilt das fürs Alter nicht? Die jungen Diskutierenden haben allerdings immer wieder betont, dass die Fragestellung nicht stimmt, und es nicht darum geht, einander zu bekämpfen. Das Ausspielen der Generationen gegeneinander macht absolut keinen Sinn, schließen werden alle alt. Unser Problem ist ein ganz anderes, nämlich das der Verteilung. 

Die ist zutiefst ungerecht, da müssen wir ran! Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer. 

Gerade ging es durch die Medien: Wir hatten im letzten Jahr einen Anstieg der Superreichen um 28%! Und gleichzeitig wächst die Altersarmut. 

Das ist brandgefährlich! Und ich finde es auch unanständig!

Lasst uns deshalb aufpassen, dass wir nicht unbedacht framen. Spaltung haben wir in unserer Gesellschaft schon genug, wir brauchen mehr Solidarität und gemeinsame Lösungen. 

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