„Wir wollen mehr als eine Delle auf dem Sofa hinterlassen!“

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Loring Sittler, Leiter Generali Zukunftsfonds, referiert zum demografischen Wandel, Anna Gallina und Karl-Heinz Karch moderieren. Die Grünen Alten waren mit vier Vertreter*innen dabei

Loring Sittler, Leiter Generali Zukunftsfond und Experte beim Thema „Demografischer Wandel” brachte es auf den Punkt: „Viele ältere Menschen möchten sich engagieren, mehr hinterlassen als eine Delle auf dem Sofa. Deshalb übernehmen heute schon ca. 45% ein Ehrenamt.” Sittler war einer der hochkarätigen Experten, die zum Auftakt des Programm- Prozesses von unserem Landesvorstand eingeladen waren, um Input für eine grüne Vision vom Zusammenleben in Hamburg 2030 zu geben. Sittler rief zum schnellen Handeln auf, da sich der Anteil der Erwerbstätigen rapide verringere. Da sei ein Zuzug von Migranten und Geflüchteten sehr willkommen, aber bei weitem nicht ausreichend. Hamburg stünde diesbezüglich zwar etwas besser da als andere Regionen in Deutschland, aber auch hier sei die Geburtenrate viel zu niedrig. Das sei ein Trend, der sich in allen hochentwickelten Industrieländern abzeichne. Wir müssten deshalb dringend heute etwas ändern, für die nächsten Generationen. Alle Zahlen lägen seit langem vor, die Politik würde aber nicht handeln. Zur Zeit käme auf einen Rentner nur 1.9 Erwerbstätige, demnächst würden es nur noch 1.2 sein. 1957 hätten Rentner*innen 9.1 Jahre Rente bezogen, heute seien es doppelt soviele Jahre. Das Rentenniveau sei auf 47% des letzten Bruttogehaltes gesunken und wird weiter sinken. Alle, die fit sind, sollten deshalb länger arbeiten – was ja theoretisch heute schon möglich ist. Erwerbsunfähigkeitsrente und Frühverrentung seien wichtig für alle, die das nicht mehr schaffen.

Ergebnisfragen
Diskussionspunkte wurden gleich festgehalten

Schon jetzt ist Hamburg die Stadt mit der höchsten Zahl an Rentner*innen, die von der Grundsicherung leben. Altersarmut würde ein zunehmendes Problem werden – besonders bei Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund. Sittler riet, sich nicht nur auf den Staat zu verlassen, der habe zunehmend weniger Einfluss. Besser sei es, Initiativen zu gründen, z.B. Senioren-Genossenschaften. Dort könne man ehrenamtlich Zeit einbringen, die man später abrufen kann, wenn man sie selbst braucht. Oder Tauschbörsen einrichten. Dadurch könnten viel mehr Menschen zuhause wohnen bleiben, müssten nicht ins Heim – was ja keiner möchte. Auch dafür bräuchten wir neue Konzepte, mehr Miteinander im Quartier (mehr Infos hier).

Migration.flucht
Mirijam Beutler vom Netzwerk Grenzgänger und Professorin Dr. Ursula Neumann von der Uni Hamburg waren als Expertinnen zum Panel Migrations- und Fluchtbewegungen

Beim Panel „Migrations- und Fluchtbewegungen waren Professorin Dr. Ursula Neumann von der Uni Hamburg und Mirijam Beutle vom Netzwerk Grenzgänger eingeladen. Hier ging es um Transmigration, um immer mehr Flüchtlinge, die nur eine Zeit verweilen und dann weiterziehen. Und darum, was wir tun können, um Fluchtursachen zu beeinflussen, um Sprache und Arbeit als wichtigste Steps zur Integration und um bessere Vernetzung mit anderen Bundesländern. Ein Thema griff ins andere: wieviel Vernetzung ist okay, wo kommen wir an Datenschutzgrenzen, wann machen die keinen Sinn?

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Unser Justizsenator Dr. Till Steffen fasste die Diskussionspunkte zum Panel „Digitalisierung“ im Plenum zusammen

Das Panel „Digitalisierung“ arbeitete mit Input von Thomas Schellhaas von Big Data Analytics, Hewlett Packard Enterprise.

Am Nachmittag wurde in vier Arbeitsgruppen versucht, die bisherigen Diskussionspunkte in die Themen Stadtplanung, Vielfalt und Integration, Bildung und Stärkung von Demokratie einfließen zu lassen.

Anna Gallina übernahm charmant Begrüßung und Ausblick, und in der Mittagspause war Zeit zum Klönen. Eine sehr gelungene Veranstaltung.

Fragen und Diskussionspunkte wurden an Pinnwände geheftet, abfotografiert, den jeweils anderen Arbeitsgruppen vorgestellt und können jetzt in LAGs, Bezirken, Ausschüssen und im LaVo diskutiert werden.