Mit age-friendly City bei 60plus in Harburg

Die Harburger Grünen 60plus haben mich, Christa, eingeladen, über das Thema altersfreundliche Stadt zu sprechen. Das mache ich natürlich sehr gern, ist es doch eines meiner grünen Lieblingsthemen.

Das erste Mal hatte ich 2018 in der Körberstiftung Vertreter*innen der Städte Tampere und Belfast getroffen, die ihre Konzepte für eine altersfreundliche Städte vorgestellt haben. 

Age-friendly Cities ist ein Projekt der Weltgesundheitsorganisation, dem sich aktuell 1739 Städte und Gemeinden, ganze Länder oder Bezirke angeschlossen haben. 

Es gibt keine konkreten Bedingungen, die man erfüllen muss, man verspflichtet sich lediglich, altersfreundliche Verbesserungen in der Stadt umzusetzen. Welche das sind, bleibt der Stadt, dem Bezirk, der Gemeinde oder dem Land selbst überlassen.

Für Hamburg ist das ein wichtiger Schritt, schließlich sind jetzt schon 1/4 aller Hamburger*innen über 60, und die Gruppe, die am schnellsten wächst, sind die Hochaltrigen. Wir leben heute länger, bleiben länger fit und gesund und wollen Teilhabe. Und für die Phase der Hochaltrigkeit Barrierefreiheit bzw. -armut und Bedingungen, so dass man möglichst lange zu Hause wohnen bleiben kann. 

Denn wir haben schon lange den Pflegenotstand und die Situation wird ja nicht besser, sondern eher schlechter. Deshalb müssen wir auf Assistenzsysteme setzen, analog und digital, die ein längeres Wohnenbleiben in den eigenen vier Wänden möglich machen. 

Beim Bauen muss darauf geachtet werden, dass entsprechende Leitungen gelegt werden, wir brauchen genug barrierearme Wohnungen.

Die Beratung vom Verein „Barrierefrei leben“ wird weiter gefördert, dafür haben wir im letzten Haushalt der Stadt gesorgt. Bei dem Verein kann man sich kostenlos beraten lassen. Man könnte auch als 60plus-Gruppe einen Ausflugstermin dorthin vereinbaren.

Die Idee, sich dem WHO-Netzwerk anzuschließen fand ich gleich genial. Wir haben bei 60plus darüber diskutiert, haben eine Arbeitsgruppe gegründet. Und kurz vor Weihnachten gab es einen Aufruf vom LaVo für gute stadtübergreifende Projekte, die wir ins Wahlprogramm aufnehmen sollten. Also hab ich über die Weihnachtstage das entsprechende Formular ausgefüllt – und Anna Gallina hat sich im LaVo dafür eingesetzt. 

Das Thema ist dann ins grüne Bürgerschafts-Wahlprogramm aufgenommen worden. Und bei den Koalitionsverhandlungen wurde vereinbart, dass erstmal ein Aktionsplan auf Basis des Netzwerkes altersfreundlicher Städte und Gemeinden entwickelt wird. Und das hat die Gleichstellungsbehörde unter der Führung von Katharina Fegebank auch umgesetzt. Wir haben jetzt einen tollen Aktionsplan mit über 100 einzelnen Maßnahmen, die umgesetzt werden sollen. An einigen wird schon gearbeitet, andere sollen angefangen werden. 

Und es lohnt sich, in die Drucksache und in den Plan mal reinzuschauen, man findet dort so viele Informationen zur Lage älterer Menschen in Hamburg.

Neben dem umfassenden Text , gibt es in der Anlage auch eine übersichtliche Tabelle, in der alle Maßnahmen mit Zuständigkeit und Zeithorizont aufgelistet sind. Ist beides sehr interessant und in der Parlamentsdatenbank Hamburg zu finden (Drucksache 22/15703).

Bis zur Entwicklung des Aktionsplans gab es viele Beteiligungsveranstaltungen: Ich hab allein 16 gemacht, bei denen ich 320 Menschen erreicht habe. Wir haben dabei über Wochenblätter und Plakate ältere Menschen eingeladen und immer gefragt: Was ist gut, was sollte sich ändern? Es kamen ganz normale interessierte Menschen außerhalb der grünen Blase. Im Bezirk Harburg waren wir im AWO-Treff Fischbek-Neugraben. 

Die Hafencity Universität hat uns unterstützt, es gab Seminare, Masterarbeiten. Gut, dass junge Stadtplanerinnen bei den Veranstaltungen dabei waren. Die alten Menschen haben sich gefreut und die Jungen fand es total interessant. Und als zukünftige Stadtplanerinnen wissen sie nun, was ältere Menschen brauchen.

Zusätzlich gab es Beteiligungsveranstaltungen von der Gleichstellungsbehörde, die ebenfalls ausgewertet wurden und die zu ähnlichen Ergebnissen kam wie wir. 

Davor hatten wir noch eine Anhörung im Gleichstellungsausschuss mit tollen Expert*innen, u.a. Karin Haist von der Körberstiftung, mit dem LSB und dem Alternsexperten Prof. Kruse u.a.

Im Februar 2025 war es dann soweit, Hamburg ist seitdem Mitglied im internationalen Netzwerk der altersfreundlichen Städte.

Als ich mit dem Thema anfing war nur Radevormwalde dabei. Inzwischen sind es zusätzlich Münster, Stuttgart, Heidelberg und nun auch Hamburg als erste Millionenstadt. 

Und es liegt auch an uns, uns dafür einzusetzen, dass der Aktionsplan umgesetzt wird und unsere Stadt altersfreundlicher wird. 

Außer über AfC haben wir über Freundschaftsbänke gesprochen, die in Harburg zwar aufgestellt wurden, aber leider ohne Plakette. Und darüber, wie wir Menschen erreichen. Als positives Beispiel wurden Campingtischgespräche genannt, die andere Stadtteile anbieten.

Die Harburger 60plus-Sprecherin Christine Baeyer hatte wie immer zu sich nach Hause eingeladen und Knabbersachen, Kirschen und kleine Leckereien aufgetischt. Schöne Atmosphäre, gute Gespräche, danke für die tolle Einladung.

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