Das Thema hat offensichtlich einen Nerv getroffen: „Wie gelingt eine solidarische Rentenreform?“ Das haben sich die Hamburger Grünen 60plus und die Grüne Jugend gemeinsam gefragt – und rund 50 Gäste wollten mit uns nach Antworten suchen.

Vielen Dank für den spannenden Input von der grünen Bundestagsabgeordneten und Finanzexpertin Katharina Beck, dem GJ-Co-Sprecher Leon Meyer und Dirk Erdmann, Co-Sprecher des Landesverbandes Grüne 60plus Hamburg. Ich, Christa Möller-Metzger, durfte durch die lebhafte Diskussion führen.

Mir war es früher, wie vielen jungen Menschen, peinlich über das Thema Rente zu sprechen. Das Leben schien endlos lang, wir fühlten uns jung und unverwundbar – und es konnte noch so viel passieren. In der Jugend schon darüber nachzudenken, wie man im Alter abgesichert sein kann, erschien uns einfach oberspießig. Ein großer Fehler, wie sich später herausstellte.
Viele Frauen haben sich damals um die Kinder gekümmert, während ihr Mann gearbeitet und Karriere gemacht hat.

Frauen waren höchstens „Dazuverdienerinnen“ – und wenn die Ehe in die Brüche ging bzw. der Mann sich von der Frau trennte, war es plötzlich aus mit der Versorgung und Absicherung.
Deshalb bin ich auch so verwundert über die Tradwife Bewegung, die die Abhängigkeit vom Mann einfach ausblendet. Dachte ich doch, diese Zeiten seien vorbei!

Geringes Gehalt, geringe Rente, so läuft es. Kein Wunder also, dass vor allem Frauen von Altersarmut betroffen sind. 2025 war sie in Hamburg zum ersten Mal größer als die allgemeine Armut. Und damit ähnlich hoch wie Kinderarmut, beides knapp unter 20%.
Und das ist ja nicht alles, die aktuellen Krisen sind vielfältig: Wohnungsnot, Klima, Lebenshaltungskosten, schlechte Bildungsbedingungen. Die Jugend protestiert, nicht nur in Frankreich, auch in Italien, Albanien, Serbien, Spanien, Portugal, Großbritannien, Belgien, Irland und Griechenland.… Und auch in Deutschland gibt es Protest-Aufrufe, in München schon einen ersten kleinen Auftakt.

Die Protestforscherin Sabrina Zayak von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin, spricht von einem großen Perspektivenverlust der jungen Menschen. Viele glauben z.B. gar nicht mehr daran, überhaupt irgendwann eine Rente zu bekommen.
Deshalb wurde bei dieser Veranstaltung intensiv nach möglichen Lösungswegen gesucht.
Und viele Fragen aufgeworfen: Wollen wir bei einer rein umlagefinanzierten Rente bleiben oder brauchen wir einen Bürgerfonds nach schwedischem Vorbild? Was können wir gegen Altersarmut tun? Warum ist die Frühstart-Rente bei genauerem Hinsehen ungerecht? Ist die Mütterrente wirklich sinnvoll? Ist es noch zeitgemäß, dass Arbeitsverträge bis zum offiziellen Renteneintritt befristet sind? Und: Wir leben länger und bleiben länger fit – müssten wir nicht die Arbeitsbedingungen so ändern, dass möglichst viele Menschen auch länger arbeiten können?

Katharina betonte, dass 4 Millionen Frauen gern arbeiten würden, wenn sie eine einen Betreeungsplatz für ihre Kinder hätten. Daran fehlt es aber!
Leon stellte gleich zu Beginn einen wichtigen Punkt klar: Wir haben keinen Generationenkonflikt, sondern vor allem ein Verteilungsproblem zwischen Arm und Reich. Da waren wir uns alle einig.

Katharina brachte ein weiteres wichtiges Thema auf den Punkt: Wo liegen unsere Prioritäten? Was können wir finanzieren – und was wollen wir finanzieren?
Es war ein richtig guter Abend in der Zinnschmelze in Barmbek: viele interessierte Gäste, kluge Fragen und konkrete, lösungsorientierte Vorschläge. Zwei Stunden wurde intensiv über die Zukunft unserer Rente diskutiert – gemeinsam über alle Generationen hinweg. Und am Ende gab es immer noch kleine Grüppchen, die weiter miteinander im Gespräch blieben.
Danke an alle, die dabei waren und mitdiskutiert haben!
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